Pater Andreas Endl Herz Jesu Franziskaner
Leben der
heiligen
Margareta Maria Alacoque
1. Die Jugendzeit
Am 22. Juli 1647 wurde auf dem Schlosse Lautecourd, in Burgund, Frankreich, ein
Kind geboren, das bei seiner Taufe nach drei Tagen in der Pfarrkirche Verovres
den Namen Margareta erhielt. Die Eltern hießen Claudius Alacoque und Philiberte
Lamyn.
Die Heiligen sind die starken, gewaltigen Eichen, an denen das schwache Efeu
emporrankt, sich fest hält und auch groß wird. Eine solche feste Eiche im
Sturme des Lebens ist Margareta Alacoque geworden. Sie ist ein leuchtender
Stern, der für alle Zeiten sein grelles Licht aus dem Feuermeer seiner
Gottesliebe hinausleuchten läßt in die kalte Nacht religiöser Gleichgültigkeit.
Sie erwärmt, erquickt und belebt die Menschenherzen, daß sie wieder höher
schlagen in Liebe und Begeisterung für Gott. Von ihr wollen wir lernen.
Margareta mit dem Zunamen Maria, den sie bei der Firmung aus Liebe zur
Gottesmutter selbst sich wählte, war eine jener seltenen Seelen, deren Gott von
zartester Jugend an und auf immer die "einzige Liebe" und Herr des
Herzens ist. Schon als kleines Kind fand sie im Gebete ihre größte Freude. Ihr
Lieblingsaufenthalt war die Schloßkapelle und die Pfarrkirche. So oft man sie
suchte, fand man sie dort. Die Händchen andächtig gefaltet, kniete sie
unbeweglich vor dem Tabernakel und betete zu ihrem Heilande. Von Natur war sie
lebhaft, lernte sich aber sehr frühzeitig überwinden. Täglich betete sie
knieend den Rosenkranz, fastete alle Samstage und sobald sie lesen konnte,
betete sie täglich die Tagzeiten von der Mutter Gottes. Zur Gottesmutter hatte
sie eine ganz besondere Verehrung. Durch Maria richtete Margareta alle ihre Gebete
an den lieben Heiland. Obwohl sie von der Verbindlichkeit eines Gelübdes keinen
rechten Begriff hatte, betete sie eines Tages bei der Wandlung der heiligen
Messe: "Mein Gott, ich weihe Dir meine Reinheit, ich gelobe Dir ewige
Keuschheit". Stets floh sie alle Liebkosungen.
Mit acht Jahren verlor sie ihren Vater. Die ganze Sorge für sieben Kinder lag
jetzt auf den Mutterschultern. Margareta Maria kam zu den Urbanistinnen nach
Charolles, um von diesen Klosterfrauen standesgemäß erzogen zu werden. Mit neun
Jahren empfing sie die erste heilige Kommunion, welche bei ihr tiefe Eindrücke
und den Ansporn zur kommenden Heiligkeit hinterließ. Eine schwere, vier Jahre
dauernde Krankheit brachte Margareta Maria wieder ins elterliche Schloß.
Infolge eines Gelübdes wurde das von den Ärzten aufgegebene Kind durch ein
Wunder gesund. Ihre Mutter hatte gelobt: "Heilige Mutter Gottes, wenn mein
Kind gesund wird, soll es dir geweiht sein!" Infolge ihrer wunderbaren
Heilung, ihrer Reinheit, ihrer hervorragenden Geistesgaben und ihrer besonderen
körperlichen Schönheit hatte man für sie nur Liebe und Zärtlichkeit, die an
ehrfurchtsvolle Verehrung grenzte. Das wurde für sie eine Gefahr zur
Gefallsucht. Aber Gott schützte sie vor schwerem Falle. Nur einmal maskierte
sie sich mit einer Freundin zu einem Fastnachtsball und das beweinte sie
lebenslänglich als ihr größtes Vergehen. Gott prüfte seinen Liebling und
Schützling. Margareta kam unter die Obhut von Verwandten, die sie sehr streng
hielten und selbst vom Kirchenbesuch gewaltsam abhielten. Sie litt viel, sehr
viel, aber sie betete auch viel. Jesus erschien ihr oft und tröstete sie. Sie
müsse dies leiden, um ihm gleichförmig zu werden. Nie klagte sie. Die kindliche
Teilnahme an der krank gewordenen Mutter vermehrte ihre Leiden. Jahrelang hatte
sie keinen Führer als Gott allein. Über die kleinsten Sünden weinte sie in der
Einsamkeit laut auf. Alle freie Zeit benutzte sie zum Gebete und zwar erfreute
sie sich besonders am betrachtenden Gebete. Tagelang und Nächte hindurch hätte
sie vor dem Tabernakel knien können ohne Langweile oder Ermüdung. Ihr Herz
glich einer brennenden Wachskerze, die sich verzehrte in Liebe zu Jesus.
2. Kampf und Sieg
Von liebenswürdigem Charakter und schöner Erscheinung war sie von angesehenen
und reichen jungen Männern zur Ehe begehrt. Selbst die Mutter vergaß ihres
Gelübdes und drängte mit den Verwandten zur Heirat. Margareta hatte einen Kampf
zu bestehen, der Ströme von Tränen kostete. Eine Zeit lang schien sie
nachzugeben und auf die Bitten und Lockungen der Welt zu hören. Sie schmückte
sich, um zu gefallen. Sie suchte Vergnügen und fand sie nicht. Einer verfolgte
und verwundete mit den Pfeilen seiner Liebe ihr Herz. Es war Jesus. Er war
eifersüchtig auf ihre Liebe. Eines Abends legte sie das Festkleid ab. Da stand
der Erlöser vor ihr, mißhandelt und blutend wie bei der Geißelung und sagte:
"Sieh her, was deine Eitelkeit mir angetan hat. Du verlierst die kostbare
Zeit, über die du in der Todesstunde Rechenschaft geben mußt. Mir wirst du
untreu! Mich verfolgst du, nachdem ich dir so deutliche Beweise meiner Liebe
gegeben und dich mir gleichförmig machen wollte".
Diese Worte machten einen erschütternden Eindruck auf das unverdorbene Gemüt.
Sie entschloß sich zu einer harten Sühne. Sie umgürtete sich mit einem knotigen
Tau so fest, daß sie kaum atmen, noch Speise zu sich nehmen konnte. Dies tat
sie so lange, bis der Gürtel in das Fleisch gedrungen war und nur unter
heftigen Schmerzen entfernt werden konnte.
Die Lebensgeschichte der Heiligen war ihre einziger Lektüre. Sie sah, daß die
Heiligen entweder nie gesündigt oder außerordentliche Buße getan haben. Den
Armen gab sie ihren letzten Besitz. Gerne unterrichtete sie Kinder in den
Wahrheiten der Religion und pflegte trotz anfänglichem Ekel häufig die Kranken.
Oft erschien ihr der Heiland und gab ihr Anweisung, wie sie zu leben habe.
Gegen ihr Verlangen, ins Kloster zu gehen, erhoben die Angehörigen fortwährende
Einsprache und vereitelten es. Endlich nach vielen Jahren des Kampfes, des
Gebetes und der strengsten Bußübungen erhielt sie die Erlaubnis zum
Ordenseintritt.
3. Im Kloster
Papst Clemens X. hatte 1670 ein Jubiläum ausgeschrieben. Von einem
Franziskaner-Mönch wurde dasselbe von Verovres gepredigt. Bei diesem Anlasse
machte Margareta Maria eine Lebensbeichte. 1671 reiste sie am Feste der
heiligen Magdalena von Pazzi mit ihrem Bruder Chrysostomus nach Paray-le-Monial
und trat am 25. Mai in den Orden der Heimsuchung des heiligen Franz von Sales.
Der Bischof von Puy schrieb 1657 von diesem Orden: "Die Hauptaufgaben dieser
Ordensfrauen sind, die beiden Lieblingstugenden des heiligsten Herzens Jesu,
die Sanftmut und die Demut nachzuahmen. Das sind die Grundsterne ihres Ordens,
deshalb verdienen sie das Vorrecht, Töchter des heiligsten Herzens Jesu zu
sein". Nicht ohne Opfer, aber glücklich waren für Margareta Maria die Tage
des Noviziates. Stetsfort blieb sie in vertrautestem Verkehr mit dem göttlichen
Heilande. Ihre Novizenmeisterin war Schwester Anna Franziska Thouvant. Ohne
Erlaubnis ihrer Oberin nahm sie nie eine Bußübung vor. Der Gehorsam ging ihr
über alles.
Der 25. August 1671 "war der Tag ihrer Verlobung", wie sie selbst
sagte. An diesem Tage wurde sie eingekleidet. Immer mehr wuchs ihre herrliche
Gottesliebe, der sie alles opferte, so z.B. eine heftige natürliche, wenn auch
reine Zuneigung zu einer Mitnovizin. Im Kloster verrichtete sie die geringsten
häuslichen Arbeiten. Um sich abzutöten, kämpfte sie heroisch acht Jahre lang
gegen einen Ekel, den sie vor dem Käse hatte. Schließlich wurde ihr wegen ihrer
Gesundheit der Käsegenuß verboten. Margareta Maria Alacoque enthielt sich stets
aller geistigen Getränke. Sie war ihr Leben lang Totalabstinentin und ist auch
als solche ein leuchtendes Vorbild der Entsagung aus Liebe zu Gott. Vom Himmel
aus ist sie jetzt eine mächtige Fürbitterin und Schutzpatronin aller
katholischen Abstinenten.
Mit der Menge ihrer Entsagung wuchsen ihre Gottesliebe und damit die
himmlischen Tröstungen und Gnadenerweise so sehr, daß sie einst ausrief:
"Herr, mein Herz ist überfüllt! vergrößere es oder halte diesen Überfluß
zurück!" Sträubte sie sich, ein Opfer zu bringen, so erschien ihr der
leidende Heiland mit seinen Wunden, mahnte sie zur Ausdauer und verhieß ihr
seine Kraft.
Der 6. November 1672 war der Tag ihrer feierlichen Gelübde. Am Morgen nach der
heiligen Kommunion ritzte sie sich einen Finger auf und schrieb mit ihrem
Blute:
"Ich elendes, unwürdiges Nichts erkläre, daß ich mich meinem Gott ergeben
und opfern will, um alles zu tun, was er von mir verlangt, und mich ganz seinem
göttlichen Wohlgefallen zu überlassen. Ich verlange für mich nichts, als Eifer
für seine Ehre und seine reine Liebe, der ich mich für immer hingebe. - Von nun
an gehöre ich meinem Geliebten als seine Sklavin, seine Magd, sein Geschöpf,
aber zugleich seine unwürdige Braut, Schwester Margareta Maria, gestorben für
die Welt. Alles von Gott, nichts von mir; alles für Gott, nichts für
mich."

4. Die Vertraute des Herzens Jesu
Ein
Lieblingsort der Schwester Margareta Maria war ein Haselnußgebüsch im
Garten. Hier betete sie sehr viel und hatte da eine Erscheinung ihres
lieben Erlösers. Als Beschäftigung hatte sie eine Zeit lang das Amt
einer Gehilfin der Krankenschwester. Je mehr sie voraneilte auf dem Wege
zur Vollkommenheit, um so mehr wuchs der Neid des Teufels. Er
verlangte, sie wie Job quälen zu dürfen. Alles was sie trug, stieß er
ihr aus den Händen, was ihr viele Verweise eintrug. Sie ertrug alles in
Geduld. Gott schützte sie, verlangte aber immer mehr Opfer, besonders
schickte er ihr auch viele körperliche Leiden. Als der Teufel sie einmal
heftig auf den Kopf schlug, litt sie lebenslang an furchtbaren
Kopfschmerzen. Als Krankenpflegerin küßte sie wiederholt eiternde
Wunden, um den Ekel der Natur zu überwinden. Vom Krankensaal kam
Margareta in den Speisesaal, wo sie sich das Geringste und Schlechteste
zuteilte. Obwohl sie sehr geschickt war, hatte sie durch Zulassung
Gottes und durch Quälerei des Teufels viel Mißerfolg. Eine neue
Beschäftigung erhielt sie, als ihr die Obsorge um die Pensionärinnen
übertragen wurde. Diese liebten ihre Vorgesetzte sehr. Auch die Oberin
des Klosters, Mutter Franziska Saumaise war voller stiller,
zurückhaltender Bewunderung für Schwester Margareta Maria.
Eines
Tages ließ ihr der liebe Heiland die Wahl zwischen einem höchst
glücklichen Leben voll Trost, Friede und Gesundheit, voll Achtung und
Zuneigung von seiten ihrer Mitmenschen oder aber einem Leben voll
Widerspruch und Schmähung, in Leiden des Körpers, Ängsten und
Versuchungen der Seele. Margareta Maria erwiederte: "Du genügst mir,
Herr, ich will nur Dich, wähle Du für mich. Gib mir, was am meisten zu
Deiner Ehre gereicht." Jesus wählte für sie ein Leben voll Schmerzen.
Die bevorzugte Dienerin des Herzens Jeus nahm diese Gabe und küßte die
Hand, welche sie ihr reichte. Ihre nun folgenden Leiden des Körpers und
der Seele zu schildern, ist fast unmöglich. Wie groß auch die Leiden
waren, Jesus stärkte sie in Seinem steten vertrauten Verkehr. Gab ihr
Jesus einen Befehl, verbot die Oberin die Ausführung, und klagte sie es
wiederum ihrem Lehrmeister, dann befahl Jesus, der Oberin zu folgen, er
werde den Willen der Oberin schon lenken.
5. Die Schülerin des Herzens Jesu
Am
27. Dezember 1673 kniete sie nach der heiligen Kommunion vor dem
Tabernakel in inniges Gebet versunken, da erschien ihr das göttliche
Herz Jesu auf einem Flammenthrone, nach allen Seiten Strahlen sendend
wie die Sonne, die Wunde der Lanze sichtbar, von einer Dornenkrone
umgeben, und auf dem Herzen stand das Kreuz und Jesus sprach:
"Mein
göttliches Herz ist so voll von Liebe zu den Menschen und besonders zu
dir, daß ihre Flammen hervorbrechen, um sie durch dich den Menschen zu
offenbaren, und sie zu bereichern mit den Schätzen, welche du siehst,
und die überreiche aber notwendige Gnade enthalten, um die Menschen zu
retten vor dem Abgrund des Verderbens. Dich, Unwürdige und Unwissende,
habe ich auserwählt zur Erfüllung meiner Absichten, damit es klar werde,
daß alles ganz mein Werk ist. Deshalb gib mir dein Herz!"
Sie tat
wie befohlen, und der Erlöser nannte sie von jetzt an "Schülerin des
Herzens Jesu". Jesus verlangte, daß das Bild Seines Herzens überall
ausgestellt und verehrt werden soll, und daß auf die Orte, wo sein Bild
den Ehrenplatz einnehme, die reichsten Segnungen herniederströmen.
Diese Erscheinungen erneuerten sich für Margareta am ersten Freitag eines jeden Monats.
Am
8. Februar 1674 erschien Jesus auf gleiche Weise, zeigte ihr sein Herz
mit seiner Liebe zu den Menschen, die ihm aber nur mit Undank lohnten,
was ihm schmerzlicher sei, als alle Qualen, die Er während seines
bitteren Leidens erduldet habe.
"Gehe jeden ersten Freitag des Moants
zur heiligen Kommunion." "Tue nichts ohne Gutheißung deiner Oberin,
damit der Teufel dich nicht betrüge, denn über Gehorsame vermag er
nichts." So befahl ihr Jesus. Schwere in Geduld ertragene Krankheiten
und andere Prüfungen heiligten immer mehr die Gottesbraut, an der Gott
immer neue Wunder wirkte.
1674 wurde P. Claudius de la Colombière
Rektor der Jesuiten in Paray-le-Monial und zugleich Beichtvater und
Seeelenführer der gottbegnadigten Ordensschwester. Claudius de la
Colombière wurde am 16. Juni 1929 von Pius XI. selig gesprochen.
Am
19. Juni 1675, in der Fronleichnamsoktav, erschien ihr Jesus wieder, wie
so oft, als sie vor dem Tabernakel kniete. Er entblößte sein Herz und
sagte:
"Sieh hier das Herz, das die Menschen so sehr liebt, daß es
nichts gespart hat, um sich zu opfern, und zu erschöpfen in
Liebesbeweisen; und als Dank empfange ich von den meisten Menschen nur
Kälte, Unehrerbietigkeit, Verachtung und Sakrilegien in diesem Sakrament
der Liebe. Was mich aber am meisten schmerzt, ist, daß Herzen, die Mir
besonders geweiht sind, Mir auf diese Weise begegnen. Darum verlange Ich
von dir, daß der erste Freitag nach der Fronleichnamsoktav ein
besonderer Festtag zur Verehrung Meines Herzens werde; daß man an dem
Tage sich dem heiligen Tische nahe, und einen Ehrenersatz leiste, zur
Sühnung all der Beleidigungen, welche Meinem Herzen, seit es auf den
Altären weilt, zugefügt wurden, und ich verspreche dir, daß Mein Herz
diejenigen im reichsten Maße den Einfluß seiner Liebe fühlen lassen
wird, die es verehren, und die sorgen, daß es auch von andern verehrt
werde."
Maragreta Maria hatte Bedenken gegen die große Aufgabe, die
sie als "Schülerin des Herzens Jesu" erhalten; aber der Erlöser verhieß
ihr seine Hilfe und schickte sie zu P. Claudius de la Colombière, ihrem
Beichtvater, der ihr in der Ausführung ihres Auftrages behilflich sein
soll. Am 21. Juni, am Fest des heiligen Aloysius, desselben Jahres,
weihte sie sich ganz ungeteilt dem göttlichen Herzen Jesu. Schwerster
Margareta Maria und P. Claudius de la Colombière führten trotz
unzähliger Hindernisse mit der Hilfe Gottes den Befehl aus. Daß sie
Erfolg hatten, zeigt der heutige Stand der Herz Jesu-Verehrung. 1676
wurde P. Claudius de la Colombière nach Paris und von dort nach England
versetzt, von wo er mit dem Kloster in Paray-le-Monial in stetem
Briefwechsel blieb.
6. Die Erbin des Herzens Jesu
Margareta
Maria genoß weiter des fortwährenden Verkehrs mit dem göttlichen
Heilande. Unter anderem sagte er ihr einst: "Die Hölle kann nicht
schrecklicher sein, als der Zustand eines der Gnade Gottes beraubten
Herzens." "Ich habe das Weihwasser gern, und liebe so sehr das Kreuz,
daß ich die Seelen, die es um meinetwillen tragen, noch inniger mit mir
verbinde."
1678 erhielt Margareta Maria in Péronne Rosalie Greyffié
eine neue Oberin. Von diesem Jahre an erschien ihr Jesus stets in
Begleitung eines Engels. Im selben Jahre verlangte ihr göttlicher
Lehrmeister von ihr ein geistliches Testament, worin sie alle Arbeiten,
Leiden und Verdienste ihm übergebe. Die Oberin unterzeichnete: "31.
Dezember 1678, Schwester Péronne Rosalie Greyffié; die Erblasserin:
Schwester Margareta Maria, Schülerin des Herzens Jesu." Mit einem
Federmesser schnitt sie den Namen "Jesus" in ihre Brust und schrieb mit
dem Blute dieser Wunde auf wörtliche Eingebung ihres göttlichen
Lehrmeisters:
"Ich mache dich zur Erbin Meines Herzens und aller
darin verborgenen Schätze, und dies für Zeit und Ewigkeit. Zugleich
gelobe ich dir, daß es dir nie an Hilfe fehlen wird, solange es Meinem
Herzen nicht an Macht gebricht. Du bleibst dessen Schülerin und
Vielgeliebte."
Am 15. Februar 1682 starb P. Claudius de la Colombière
in Paray-le-Monial, wohin er nach viel Leiden und Verfolgungen aus
England zurückgekehrt war, an der Schwindsucht eines heiligen Todes.
Margareta
Maria verlor an ihm ihren besten Freund. Sie betete nicht für seine
Seelenruhe, weil sie von Jesus wußte, daß er am Tage der Beerdigung in
den Himmel aufgenommen worden ist. Papst Leo XIII. hat am 8. Januar 1880
die Einführung des Seligsprechungsprozesses genehmigt und Pius XI. ihn
am 16. Juni 1929 selig gesprochen.
Unter der neuen Oberin Maria
Christina Melin wurde Margareta Maria Assistentin und Novizenmeisterin.
In der Erziehung der Novizinnen hatte sie herrliche Erfolge. Sie wurde
nie müde, in aller Herzen die Andacht zum göttlichen Herzen Jesu zu
begründen und zu fördern. Zur Feier des Festes vom Herzen Jesu lud sie
ihre Mitschwestern und die Novizinnen ein. Freilich waren noch viele
Vorurteile und andere Schwierigkeiten gegen die Herz Jesu-Andacht zu
überwinden. Jesus führte durch seine treue Dienerin seine Pläne zum
Siege.
7. Erster Triumph
1686 wurde es Margareta Maria möglich,
die ersten Darstellungen ihres neuen Herz Jesu-Bildes verteilen zu
können. Ihre frühere Oberin Greyffié sandte sie ihr. Die Andacht zum
göttlichen Herzen Jesu wuchs immer mehr im Kloster des heiligen Franz
von Sales in Paray-le-Monial und verbreitete sich von dort auch nach
auswärts, besonders durch die früheren persönlichen Bemühungen von P.
Claudius de la Colombière und durch seine hinterlassenen Schriften, wie
"Retraite spirituelle", die eifrig gelesen und verbreitet wurde. Am
meisten trugen die geduldigen Leiden der Schwester Margareta Maria dazu
bei.
Der liebe Heiland offenbarte Margareta Maria neue Verheißungen. Am 24. August 1685 schrieb sie solche an Mutter de Saumaise:
"Er
(Jesus) versprach mir, daß alle, die sich diesem heiligen Herzen
weihen, niemals verloren gehen werden, und daß Er, der Quell aller
Segnungen, diese im Überfluß ausgießen wird über jene Stätten, an denen
das Bild dieses liebenswürdigen Herzens ausgestellt ist, um verehrt und
geliebt zu werden. Durch dieses Mittel wolle er die Zwietracht aus den
Familien entfernen und denen helfen, die sich in Not befinden."
Am
21. Juni 1686 wurde das Herz Jesu-Fest im Kloster feierlich begangen und
bald darauf im Hause die erste private kleine Herz Jesu-Kapelle mit dem
Herz Jesu-Bilde errichtet.
Besonderen Glanz bekam die Herz
Jesu-Andacht, als am 7. September 1688 im Klostergarten die erste
größere Herz Jesu-Kapelle mit einem großen Herz Jesu-Bilde mit großer
Feier eingeweiht wurde. Sie wurde der Lieblingsaufenthalt der Schwester
Margareta Maria. In der Folge versah Margareta Maria wieder das Amt
einer Krankenschwester und dann wieder einer Assistentin im Jahre 1687.
Die Zahl der besonderen Verheißungen, welche ihr das göttliche Herz Jesu
machte, beträgt zwölf. Sie hat sie alle in ihren Briefen aufgezeichnet.
Hier sei noch besonders die sogenannte große Verheißung erwähnt:
"Ich
verspreche dir im Übermaße der Güte Meines Herzens, daß Meine
allmächtige Liebe allen, die in neun aufeinanderfolgenden Monaten am
ersten Freitag die heilige Kommunion empfangen, die Gnade aufrichtiger
Reue in der Todesstunde verleihen wird, so daß sie nicht in Meiner
Ungnade sterben, sondern die heiligen Sakramente empfangen, und in der
letzten Stunde einen sicheren Zufluchtsort finden in Meinem Herzen."
8. Ein heiliger Tod
1690
sollte Schwester Margareta Maria zur Ordensoberin gewählt werden. Doch
sie bat den lieben Heiland, dieses Opfer nicht von ihr zu verlangen, und
Jesus erhörte ihre Bitte. Schwester Lévy Chateaumourant wurde Oberin.
Im selben Jahre sagte Margareta Maria ihren baldigen Tod voraus, sowie
die Früchte, welche ein Buch über die Herz Jesu-Andacht von P. Croiset
S.J. hervorbringen werde. Sie bat, noch 40tägige Exerzitien machen zu
dürfen, die sie am 22. Juli 1690 begann. Am 8. Oktober mußte sie sich
infolge schwerer Leiden zu Bette legen. Die Sterbesakramente wurden ihr
gespendet. Ihre Vorbereitung auf den Tod war ergreifend und rührend.
"Jesus" war ihr letztes Wort. Sie starb am 17. Oktober 1690 abends 8 Uhr
mit 43 Jahren, von denen sie 19 im Orden zubrachte. Das Volk verbreitet
die Todesnachricht mit den Worten: "Die Heilige ist tot!"
9. Gottes Lohn
Das
heiligste Herz Jesu hatte die Seele seiner auserwählten Braut in den
Himmel aufgenommen. Das Volk eilte in Menge ins Kloster, um die Dienerin
Gottes nochmals zu sehen. Mehrere Kranke wurden auf der Stelle gesund.
An ihrem Grabe geschahen fortwährend Wunder. Leo XII. gab ihr am 28.
März 1824 den Titel "ehrwürdig". Pius IX. sprach sie selig, Benedikt XV.
hat am 17. März 1918 den Heiligsprechungsprozeß abgeschlossen. Am 13.
Mai 1920 wurde Margareta Maria Alacoque von Benedikt XV. heilig
gesprochen.
Gott hat ein schwaches Geschöpf, Schwester Margareta
Maria, benützt, um die Andacht zum Herzen Jesu einzuführen und zu
verbreiten. Heute hat diese Andacht die Welt erobert. Ströme von Gnaden
sind durch sie auf die heilige Kirche Gottes und ihre Kinder
niedergeflossen und fließen immer noch weiter. Die Vorhersagung
Margareta Maria's hat sich erfüllt: "Das Herz Jesu wird herrschen!"

Pater Andreas Endl